Verstehen
10.02.2026
Wassermangel und die Bedeutung des Zugangs zu Trinkwasser
Rund ein Drittel der Weltbevölkerung hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Das hat schwere gesundheitliche Folgen und reduziert die Chance auf Bildung.
Verstehen
25.08.2026
5 Minuten Lesedauer
Wasser ist Leben. Doch für Millionen Menschen weltweit ist der Zugang zu sauberem Trinkwasser keine Selbstverständlichkeit. Und das, obwohl unsere Erde zu mehr als 70 Prozent aus Wasser besteht. Doch davon sind gerade mal 2,5% Süßwasser. Und nicht alles davon ist für uns Menschen zugänglich. Wasser wird dadurch zu einem kostbaren und knappen Gut für die stetig wachsende Weltbevölkerung.
Wasserknappheit und Wassermangel werden im alltäglichen Sprachgebrauch häufig synonym verwendet. Die UNESCO definiert Wasserknappheit, wenn pro Person und Jahr ein Wasservorkommen von unter 1.700 m³ vorliegt. Verringert sich diese Wasserressourcen auf unter 1.000 m³ pro Kopf, liegt Wassermangel vor.
Zudem wird oft auch zwischen einem kurzfristigen und einem langfristigen Zustand unterschieden. Der Mangel an Wasser betrifft dabei einen begrenzten Zeitraum, in dem die Nachfrage an Wasser im entsprechenden Gebiet nicht gedeckt werden kann. Das tritt zum Beispiel durch Dürren ein, die das Austrocknen von Flüssen und Seen nach sich ziehen. Dauert dieser Mangel länger an oder kann die Nachfrage trotz ausreichender Verfügbarkeit von Wasser dauerhaft nicht gedeckt werden, spricht man von Wasserknappheit. Kurz gesagt:
Bei Wasserknappheit übersteigt die Nachfrage das Angebot an Wasser.
Die Ursachen für Wasserknappheit sind vielschichtig und oft treten mehrere Faktoren gleichzeitig auf.
Die globale Wasserknappheit ist aber kein reines Naturphänomen. Es ist Resultat menschlichen Handelns und politischen Fehlmanagements. Zu den Haupttreibern gehören ein steigender Lebensstandard, intensivere Landwirtschaft, Umweltverschmutzung und Ressourcenverschwendung.
So verbraucht in Deutschland jeder Mensch im Durchschnitt rund 120 Liter Wasser am Tag für Putzen, Kochen, Duschen, Toilettenspülung sowie Wasch- und Spülmaschine. Unser tatsächlicher Verbrauch ist aber 45-mal so hoch! Denn neben dem sichtbaren Wasserverbrauch kommen noch weitere Liter für Kleidung, Nahrung und Technik hinzu. Rechnet man dieses sogenannte virtuelle Wasser ein, liegt unser Fußabdruck bei fast 5.300 Litern am Tag. Das Problem: Ein Großteil dieses Wassers wird nicht bei uns in Deutschland verbraucht, sondern wir importieren es aus dem Ausland – oft aus ohnehin bereits wasserarmen Regionen der Welt.
Deutschland deckt seinen Wasserverbrauch tatsächlich nur zur Hälfte aus eigenen Ressourcen. Das restliche Wasser wird aus über 200 Ländern wie Brasilien, der Elfenbeinküste, aber auch Frankreich und der Niederlande importiert (vgl. WWF Deutschland). Und Deutschland ist kein Einzelfall. In der Regel verbrauchen Industriestaaten 10 Mal so viel Wasser wie Entwicklungsländer.
In unseren WASH-Projektländern Äthiopien, Kenia und Tansania sind ausreichend Grundwasserressourcen vorhanden. Doch der Zugang zu diesem Grundwasser fehlt. Diese Gebiete sind somit nicht von Wasserknappheit, sondern stark von ökonomischem Wassermangel betroffen. Die Folgen treffen Frauen und Mädchen am härtesten, da sie meist die unbezahlte Last der Wasserbeschaffung tragen (vgl. UN 2026). Denn die Beschaffung von Wasser ist nicht nur körperlich anstrengend, sondern auch sehr zeitintensiv. Das führt dazu, dass Kinder, vor allem Mädchen, nicht zur Schule gehen und somit ihr Recht auf Bildung nicht wahrnehmen können. Die fehlende Menstruationshygiene erschwert zusätzlich den Schulalltag junger Mädchen in den WASH-Regionen. Durch verunreinigtes Wasser werden Menschen krank und der Alltag wird bestimmt von dessen Beschaffung.
Ein gendersensibler Ansatz in der Kommunikation sowie bei der Projekteinbeziehung, kann das Verhalten bei der Wassernutzung in den Gemeinden positiv verändern und Ungleichheiten abbauen. Wird die Geschlechterperspektive konsequent in alle Wasser- und Klimamaßnahmen integriert, stärkt das sowohl die Gleichstellung als auch die Nachhaltigkeit in der gesamten Region (vgl. UN 2026).
Wasser, Hygiene und Sanitäranlagen sind die drei Säulen, auf denen Gesundheit und Wohlstand wachsen. Ein Brunnen mit sauberem Trinkwasser rettet Leben und schenkt den Menschen Würde. Gleichzeitig bricht er einen Teufelskreis: Statt wertvolle Stunden des Tages für das pure Überleben aufzuwenden, um Wasser herbeizuschleppen, öffnet der direkte Wasserzugang die Tür für Bildung, Landwirtschaft und eigene kleine Unternehmen.
Zusätzlich zur Errichtung von Brunnen und Sanitäreinrichtungen umfasst WASH deshalb auch wichtige Hygiene-Trainings. Dabei werden die Gruppen zu gleichen Teilen von Männern und Frauen besetzt, um auf diese Weise Gleichberechtigung zu fördern. Nach den Trainings übernehmen diese Teilnehmenden wichtige Funktionen in der Gemeinde. Das stärkt die Selbstbestimmung und Emanzipation.