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Von Entwicklungshilfe zur Entwicklungszusammenarbeit auf Augenhöhe

29.09.2026

5 Minuten Lesedauer

Perspektivenwechsel: Von Entwicklungshilfe zu Entwicklungszusammenarbeit

Die drängendsten Herausforderungen unserer Zeit, wie Klimawandel, globale Wasserversorgung und Armutsbekämpfung, lassen sich nicht durch einseitige Fürsorge lösen. Wo früher paternalistische Geber-Empfänger-Beziehungen das Handeln prägten, setzt moderne Entwicklungspolitik auf völkerrechtlich legitimierte Partnerschaften auf Augenhöhe. 

Begriffliche Abgrenzung: Entwicklungshilfe im Vergleich zur Entwicklungszusammenarbeit

Die Umbenennung von Entwicklungshilfe zur Zusammenarbeit wirkt trivial. Doch geht es hier nicht um terminologische Nuancen, sondern um eine veränderte Form von Beziehungen. Weg von postkolonialen, paternalistischen Machtverhältnissen hin zu völkerrechtlich legitimierten Partnerschaften auf Augenhöhe. 

Definition Entwicklungshilfe

Entwicklungshilfe beschreibt einen einseitigen Prozess von Industriestaaten hin zu sozioökonomisch benachteiligten Staaten. Durch materielle, technische und finanzielle Mittel sollte ein scheinbar zwingend notwendiger Modernisierungsprozess nachgeholt werden. Dabei trat das Geberland als wissender, steuernder und versorgender Akteur auf, während dem Empfängerland nahezu alle Kompetenzen abgeschrieben und es auf einen passiven Leistungsempfänger reduziert wurde. Heute gilt der Begriff nicht nur als überholt, sondern wird scharf kritisiert. So legitimiert er ein strukturelles Machtgefälle und hält koloniale Denkmuster weiter aufrecht (vgl. BMZ).

Definition Entwicklungszusammenarbeit

Entwicklungszusammenarbeit beschreibt im Gegenteil dazu eine völkerrechtlich und institutionell vereinbarte Kooperation zwischen souveränen Partnern auf Augenhöhe. Ziel ist die nachhaltige Verbesserung ökonomischer, sozialer, ökologischer und politischer Rahmenbedingungen zur sozial gerechten und ökologisch tragfähigen Gestaltung der Globalisierung (vgl. BMZ).

Entwicklungszusammenarbeit orientiert sich dabei an den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen. Institutioneller Kapazitätsaufbau, Förderung der Eigenverantwortung und Etablierung gegenseitiger Rechenschaftspflichten zwischen allen beteiligten staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren bilden die Säulen dieser Zusammenarbeit (vgl. UN). Entwicklungszusammenarbeit rückt dabei nicht nur die aktuelle Generation in den Mittelpunkt der Partnerschaft, sondern hat ebenso das Ziel, weiteren Generationen ein in Freiheit selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. (vgl. BMZ).

Warum ein Perspektivenwechsel hin zur Entwicklungszusammenarbeit wichtig ist

Das 17. Ziel für nachhaltige Entwicklung beschreibt die Entwicklungszusammenarbeit als Grundlage für die Erreichung aller anderen Ziele. Nur durch eine starke globale Partnerschaft mit gemeinsamen Anstrengungen aller Staaten, Zivilgesellschaften, Volkswirtschaften und Einzelpersonen können die globalen Herausforderungen gemeistert werden. 

Sprache formt unsere Realität

Neben neuen institutionellen Strukturen ist auch eine sprachliche Änderung erforderlich. Denn Sprache formt unsere Realität und hält ungewollt oder gewollt bestehende Machtverhältnisse und Stereotype aufrecht. Der Begriff Entwicklungshilfe entstand in den 1950er-Jahren und teilt die Welt in zwei Lager. Auf der einen Seite die westlichen, aktiven, aufgeklärten Geber und auf der anderen Seite die passiven, hilfsbedürftigen Empfänger. 

Dabei werden lokale Gegebenheiten grundlegend ignoriert und ganze Kontinente zu einem homogenen Ganzen zusammengefasst. Durch diese Narrative geht wichtiges indigenes Wissen verloren. Zudem wird den Menschen im Empfängerland jegliche Kompetenz abgeschrieben. Zentrale Aspekte der Entwicklungszusammenarbeit stehen dieser Auffassung entgegen: im Mittelpunkt stehen gemeinsame Verantwortung und gegenseitiges Lernen. 

Empowerment anstelle dauerhafter Abhängigkeit

Die Geschichte der Entwicklungspolitik zeigt zahlreiche Beispiele, wie fehlender Austausch auf Augenhöhe zu gescheiterten Projekten führt. Denn lokale Gegebenheiten sind entscheidend für den Erfolg nachhaltiger Entwicklungszusammenarbeit. Dazu zählt wichtiges Wissen der einheimischen Bevölkerung. Nur ein Perspektivenwechsel führt zum Erfolg. Lokale Regierungen, Kommunen und Zivilgesellschaften bringen eigene Bedürfnisse und Kompetenzen ein und bestimmen ihre Prioritäten. Dadurch lassen sich gemeinsam Lösungen entwickeln und Risiken global teilen sowie im Austausch voneinander lernen. Nachhaltige Entwicklung kann nur durch Empowerment und die Stärkung der einheimischen Strukturen gelingen. 

Globale Krisen gehen uns alle an

Das Narrativ der wohlhabenden Industriestaaten, die großzügig geben, ohne auf Gegenleistungen angewiesen zu sein, ist längst überholt. Das zeigen globale Pandemien oder Klimawandel. So ist Deutschland für die Deckung des täglichen Wasserkonsums abhängig von über 200 Ländern, darunter etwa Brasilien oder die Elfenbeinküste. Die dadurch ausgelösten Probleme wie Wasserknappheit werden so zu globalen Krisen. Der Schutz der Biodiversität oder Frieden lassen sich nur multilateral und solidarisch aufrechterhalten. Damit wird eine Entwicklungszusammenarbeit auf Augenhöhe zu Gunsten von allen Beteiligten unabdingbar.

Entwicklungszusammenarbeit im Rahmen von WASH

Unsere WASH-Projekte werden kontinuierlich von unseren langjährigen Partnerorganisationen REST (Äthiopien), AMREF (Kenia) und PDF (Tansania) umgesetzt. Durch den Zugang zu sauberem Trinkwasser und sicheren Sanitäreinrichtungen ermöglichen wir verstärkt Mädchen den Besuch von Schulen. Denn gerade Mädchen und Frauen tragen den Löwenanteil der Last. So legen sie bis zu 6 Kilometern pro Tag zurück und das mit bis zu 20 Kilo schweren Kanistern. Die körperlich anstrengende und zeitaufwendige Beschaffung von Wasser macht den Schulbesuch unmöglich. Doch nur der Zugang zu Bildung ermöglicht ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit. 

Neben dem Bau von Trinkwasserbrunnen und Sanitäreinrichtungen an Schulen und Gemeinden sind auch Hygieneschulungen Teil der Zusammenarbeit. Diese Schulungen klären nicht nur über gesundheitliche Risiken auf, sondern befähigen die Teilnehmenden zusätzlich dazu, dieses Wissen weiterzugeben. Dies sichert eine nachhaltige Entwicklung. Pro Kurs werden dabei gleich viele Männer wie Frauen geschult. Dies fördert zusätzlich die Gleichberechtigung in den Gemeinden.