Verstehen
10.09.2026
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Das vierte Ziel für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDG 4) verpflichtet die internationale Staatengemeinschaft, bis 2030 eine inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung für alle Menschen zu verwirklichen. Doch die Realität ist eine andere. 2024 hatten weltweit rund 273 Millionen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene keinen Zugang zum formalen Schulsystem. Das entspricht jeder 6. Person im Schulalter (vgl. UNESCO).
Mit Bildung assoziieren wir oft das Lernen von Sprachen, geschichtlichen Fakten oder mathematischen Formeln, die uns mit einem formalen Abschluss auf unsere berufliche Laufbahn vorbereiten. Doch Bildung im eigentlichen Sinne ist ein lebenslanger Prozess der Persönlichkeitsentwicklung. Sie befähigt den Menschen, eine eigene Identität zu formen, Urteilskraft und Mündigkeit zu entwickeln und sich die Welt selbstbestimmt und kritisch anzueignen (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung).
Bildung dient als Schlüssel für individuelle Lebenschancen, gesellschaftliche Teilhabe und nachhaltigen Wandel.
Sie stellt kein Privileg dar, im Gegenteil: Bildung ist ein Menschenrecht, das jedem Menschen weltweit zusteht. Dennoch können ungefähr 800 Millionen Menschen weder schreiben noch lesen. Zwei Drittel davon sind Frauen, denn Mädchen wird aufgrund unterschiedlicher Faktoren der Schulbesuch verwehrt.
Frauen und Mädchen sind von Analphabetismus besonders stark betroffen. 119 Millionen Mädchen können weltweit nicht zur Schule gehen (vgl. UNESCO). Materielle Armut, mangelnde physische Sicherheit, fehlende Menstruationshygiene und traditionelle Geschlechterrollen machen es Mädchen oft unmöglich zur Schule zu gehen.
In vielen ländlichen Regionen der WASH-Länder wird die Wasserbeschaffung traditionell Frauen und Mädchen zugeordnet. Fehlender Zugang zu sauberem Trinkwasser führt dort oft dazu, dass durchschnittlich sechs Kilometer zu Fuß zurückgelegt werden müssen. Dadurch bleibt nicht nur keine Zeit für Bildung, auch die Aufnahmefähigkeit ist schlicht nicht gegeben. Denn das Tragen von bis zu 20 Kilogramm schweren Kanistern führt zu körperlicher Erschöpfung.
In anderen Regionen kommen gravierende Sicherheitsrisiken auf langen Fußwegen sowie Übergriffe im Schulumfeld hinzu. Dies veranlasst Eltern, Mädchen dem Bildungssystem zu entziehen, um sie eben nicht diesen Gefahren auszusetzen. Oft fehlt auch schlichtweg das Geld, um zum Beispiel die Schulbildung zu finanzieren. Dann haben Jungen meistens den Vorzug, während Mädchen unbezahlte, häusliche Verpflichtungen übernehmen (vgl. UNESCO).
Fehlende Bildung korreliert stark mit Frühverheiratung. Weltweit leben rund 650 Millionen Frauen, die vor der Vollendung ihres 18. Lebensjahres verheiratet wurden. Jährlich treten etwa 12 Millionen Minderjährige eine Ehe an. Aktuell wird weltweit eine von fünf jungen Frauen im Alter zwischen 20 und 24 Jahren als Kind verheiratet; in Sub-Sahara-Afrika liegt dieser Anteil bei nahezu einem Drittel (vgl. UNESCO).
Dabei zeichnet sich ein klarer Zusammenhang zwischen der Eheschließung von Mädchen und Bildung ab. In 87 % der Fälle führt die Eheschließung minderjähriger Mädchen zum unmittelbaren Ausschluss aus dem Unterricht. Umgekehrt stellt der fortgesetzte Schulbesuch die wirksamste Schutzmaßnahme dar. Der vollständige Abschluss der Sekundarstufe senkt das Risiko einer Kinderheirat um 66 %, während der Übergang in postsekundäre Bildungsgänge das Risiko um mehr als 80 % reduziert (vgl. UNESCO).
Bildung erhöht auch die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben durch ein höheres Einkommen. Jedes zusätzliche Schuljahr steigert das spätere Lebenseinkommen um 9-10 % (vgl. UNESCO). Das befähigt insbesondere Mädchen und Frauen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
WASH vereint Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene: Drei unverzichtbare Grundvoraussetzungen für Gesundheit, Menschenwürde und eine selbstbestimmte Entwicklung: